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Doofe CSU scheitert an deppertem Diskurs

von Jens Peter Paul | 25. November 2015

Keine Landesverwaltung und keine Staatsregierung hat sich in den vergangenen Wochen mehr den Arsch aufgerissen als die bayerische, um die unglaubliche Anzahl von Tag und Nacht neu eintreffenden Menschen zu versorgen, ihre Wege zu organisieren, ihnen ein Dach und ein Bett und Essen und Trinken und ein Mindestmaß an medizinischer Betreuung zu gewähren. Und es hat in Relation zu den Aufgaben und Ressourcen bisher in geradezu wunderbarer Weise funktioniert, was selbst die Opposition im Landtag neidlos anerkennt.

Das war und ist soziales Christentum at its best, und es basiert auf den Leistungen und Strukturen, die die CSU seit ihrer Gründung für das Land erbracht und geschaffen hat – die waren eben nachhaltig. Ergebnis jedoch: Ein beispielloser und anhaltender Shitstorm, der vom ersten Tag bundesweit analog und digital aus allen Rohren auf die CSU und die von ihr verantwortete Verwaltung einprasselt.

Die Regierungen anderer Bundesländer aber, die im Vergleich dazu in geradezu jämmerlicher Weise versagt haben und weiter versagen – Hamburg, ganz miserabel Berlin, stellenweise auch NRW, von den Ost-Ländern besser ganz zu schweigen – , obwohl sie (anders als die Bayern) mangels einer Bundesgrenze mit großem Überraschungsfaktor wenigstens halbwegs jeweils planen konnten, was auf sie zukommt, hatten und haben zwar deswegen Ärger mit Helfern und Hilfsorganisationen, aber überregional wahrnehmbare Kritik blieb aus. Warum?

Sie haben nach allgemeiner, aber leider leicht perverser Wahrnehmung – anders als die CSU – die richtige Rhetorik verwendet und das machte sie immun gegen Vorwürfe, wären sie auch noch so berechtigt.

Mein Fazit: 1. Unser öffentlicher Diskurs ist komplett deppert – Worte und Gefühle sind ihm hundertmal wichtiger als Taten oder gar Ergebnisse. Irrational und sogar ein wenig krank. Als ob die Aufklärung nie stattgefunden hätte.

2. Die CSU und speziell ihr Vorsitzender sind, was den Umgang mit der Öffentlichkeit angeht, leider – mit Verlaub – ein bißchen doof. Wer eigentlich solche Resultate vorzuzeigen hätte, dafür aber nur miserabelste Noten einfährt, macht auch selbst etwas ganz grundlegend verkehrt. Mit der Merkel-Behandlung zuletzt als vorläufiger Krönung.

In dieser Lage eine Bundestagsfraktion dazu zu bringen, daß sie der Kanzlerin vier Minuten Ovationen darbringt wie gestern geschehen – dazu bedarf es schon eines Ausmaßes an Ungeschick, das nicht an jeder Straßenecke zu haben ist.

Seehofer hätte inhaltlich exakt das gleiche sagen können, nur anders formuliert und in anderer Darreichungsform – die Wirkung wäre eine vollends andere gewesen.

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