« | Home | »

13 Thesen zur Zukunft unseres Geldes

von Jens Peter Paul | 22. September 2013

1. Die Europäische Währungsunion gleicht in einem zentralen Punkt dem
Zweiten Weltkrieg: Sie nahm ihren Ausgang in Deutschland mit Genschers
Memorandum vom Februar 1988 – und sie wird, ungeachtet der im Moment noch passablen Konjunktur hierzulande, zum bösen Krisenfinale nach
Deutschland zurückkehren.

2. Im Moment befinden wir uns in der Phase 1943: Die entscheidenden
Schlachten sind verloren, die Führung glaubt dennoch an den Endsieg oder
behauptet es zumindest, die Bevölkerung weiß es schon längst besser. Wer
zweifelt, gilt als „nicht hilfreich“ und wird wegen Wehrkraftzersetzung
medial erschossen.

3. Der Euro funktioniert nicht, weil er nicht funktionieren k a n n  –
und nicht, weil es Böswillige oder finstere Mächte gäbe, die verhindern,
daß er funktioniert. Er ähnelte einem Versuch, den Andreasgraben mit
Beton auszugießen, um ein Erdbeben zu verhindern.

4. Eine Zeitlang konnte der Euro die tektonischen Verschiebungen
zwischen den Volkswirtschaften scheinbar blockieren, doch am Ende werden
uns die Brocken, angetrieben von den aufgestauten Spannungen tief unten,
um so heftiger um die Ohren fliegen. Das Konzept, Devisenbandbreiten,
die sich im EWS als zu eng erwiesen hatten, in der Nacht zum 1. Januar
1999 mit Einführung des Euro auf null zu reduzieren, war absurd.

5. Wer Augen hat zu sehen und es auch sehen will, der erkennt, daß alle
Parameter der Rettungsversuche stark negativ sind. Die wirtschaftlichen
Zahlen und politischen Signale aus Italien, Griechenland, Slowenien,
Spanien, Portugal und ganz besonders Frankreich sind aktuell ausnahmslos
verheerend.

6. Ein Einzug der AfD in den Bundestag, und falle er noch so minimal
aus, hätte schlagartig enorme Folgen für den politischen Euro-Diskurs in
Deutschland. Erstmals seit 22 Jahren hätten die bislang stillen
Euro-Skeptiker in den anderen Parteien, speziell in CDU, CSU und FDP,
das Argument des Machterhalts auf ihrer Seite.

7. Die CSU-Landesgruppe, traditionell hier am kritischsten, würde den
deutlichsten Kurswechsel vollziehen und auch eine Bundeskanzlerin Merkel
zu im Ausland als dramatisch empfundenen Korrekturen zwingen. Hier und
da hat sie diese Korrekturen bereits in der Schlußphase des Wahlkampfs
angedeutet – nicht zufällig parallel zu jüngsten Hinweisen der
Institute, die AfD könne eventuell unter Umständen ganz vielleicht am
Ende doch die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.

8. Die Wahlkampfkostenerstattung und die erhebliche Steigerung der
öffentlichen Wahrnehmung durch Auftritte im Bundestag würden der AfD in
künftigen Wahlkämpfen ganz andere Möglichkeiten eröffnen. Die
Konkurrenz, dies natürlich genau wissend, würde daraus schließen, daß
dies für die AfD (wie 1983 bei den Grünen) erst der Anfang ist und die
Professoren es nur selbst vermasseln können (wofür freilich, siehe
„Piraten“, ausreichend Gelegenheit sein wird).

9. Dies antizipierend, werden die Finanzmärkte auf einen AfD-Erfolg sehr
sensibel bis hin zur Panik reagieren. Ein schnelles Bekenntnis von Union
und SPD, „reibungslos“, „zügig“ und „verantwortungsvoll“ eine Große
Koalition zu bilden, eventuell sogar – je nach Wahlausgang – bereits in
der Wahlnacht, könnte diese Panik zwar zunächst dämpfen. Gleichwohl wäre
allen Beteiligten – mit Blick auf die Aspekte unter These 8 – klar, daß
der Euro in eine neue Phase seiner Existenzkrise eingetreten ist und
Deutschland fortan als unsicherer Kantonist zu gelten habe.

10. Eine krisenhafte Zuspitzung des Währungsproblems würde unweigerlich
den Blick erneut auch auf andere Krisenländer wie USA oder Japan richten
– verbunden mit der immer drängenderen Frage, von welchen Sachwerten die
Billionen eigentlich noch gedeckt sind, mit denen FED, EZB und die
japanische Zentralbank seit nunmehr fünf Jahren ihre Staatshaushalte,
Volkswirtschaften und Kreditinstitute vor der Insolvenz zu bewahren
versuchen.

11. Da ein globaler Währungscrash früher oder später ohnehin geschehen wird mit der Folge einer grundlegenden, überaus schmerzhaften Anpassung der nominalen Geld- und Buchwerte an die tatsächliche Substanz, ist es am Ende im Prinzip
egal, wie die AfD heute abschneidet – der Tag der Wahrheit, einer
historischen beispiellosen Desillusionierung und Ehrlichmachung, kommt
so oder so.

12. Viel spricht für die Forderung „Lieber heute als morgen“,
denn jeder weitere Monat mit FED- und EZB-Milliardenspitzen macht das
Ausmaß der späteren Korrektur nur noch schlimmer. Wer den Euro heute
platzen läßt, wird freilich immer vor dem Problem stehen, daß er den
Beweis für seine Behauptung, später wäre es noch viel schlimmer
gekommen, schuldig bleiben muß.

13. Nach seriösen Schätzungen starben 1944 und 1945 mehr Menschen als
insgesamt in den vier Weltkriegsjahren zuvor. Selbst ein
Waffenstillstand und eine Befreiung der Konzentrationslager nach einem
geglückten Stauffenberg-Attentat im Juli 1944 hätten höchstwahrscheinlich
noch Millionen von Menschen vor dem Tod bewahrt.

Topics: Allgemein | Kommentare deaktiviert für 13 Thesen zur Zukunft unseres Geldes

Kommentarfunktion ist deaktiviert.