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Die Chaotisierung schreitet voran

von Jens Peter Paul | 26. Februar 2013

Die Kanzlerin sagte den fatalen Satz: „Scheitert der Euro, scheitert Europa“. Der Bundespräsident sagte am Freitag sinngemäß: Scheitert der Euro, scheitert Europa noch lange nicht (ohne zu erklären, was für ihn daraus folgt).

Derzeit gilt: Entweder scheitert der Euro oder es scheitert Europa. Anschließend wird gelten: Erst scheitert der Euro – weil er nicht gerettet werden kann und auch nicht wert ist, gerettet zu werden – und tags drauf scheitert Europa. Dann hätte die Kanzlerin doch recht behalten. Aber anders als von ihr gemeint.

Nun haben auch die Italiener Europa den Stinkefinger gezeigt. Doch die Zeit für eine halbwegs geordnete Abwicklung der Gemeinschaftswährung läuft ab, wenn sie nicht schon abgelaufen ist. Da aber niemand dem Euro den Gnadenschuß geben möchte, schon gar nicht in Deutschland, keine Merkel, kein Gauck, kein Steinbrück, läuft es auf einen chaotischen Zerfallsprozeß (die bösen Märkte) hinaus mit – natürlich – noch weit schlimmeren Folgen, als sie eine im Rahmen der Möglichkeiten gestaltete Renationalisierung des Geldes hätte.

Die Motive für dieses Verhalten unserer Politiker sind leider nur scheinbar ehrenhaft. Im Kern geht es ihnen nicht mehr um eine Rettung des Euro oder gar Europas (daraus wird nichts, denn es ist unmöglich ohne die Unterstützung der Bevölkerungen in den Mitgliedsländern – das haben sie im Stillen inzwischen verstanden), sondern nur noch darum, nicht selbst schuld zu sein am großem Tohuwabohu.

Keiner will als vermeintlich größter Drecksack seit Adolf Hitler in die Geschichte eingehen. Obwohl er/sie es natürlich nicht wäre, im Gegenteil. Der- oder diejenige würde lediglich retten an staatlicher Ordnung und Legitimation der Politik, was nach dem Granatenfehler, 17 dafür nicht geeignete Länder mit einer gemeinsamen Währung zusammenzubinden (als ob man im gemeinsamen Haus alle Zwischenwände und Wohnungstüren entfernte, was jede Chance zu Rückzug und eigener Gestaltung des Familienlebens zerstörte), noch zu retten ist.

Wenn der Preis des Geldes nicht mehr stimmt (weil ein einheitlicher EZB-Zinssatz niemals für alle passen kann), dann stimmt irgendwann überhaupt kein Preis mehr. An dieser Stelle sind wir jetzt. Die Fehlallokation von Kapital, wie die Ökonomen sagen, geht weiter. Eine Verschwendung von Ressourcen beispiellosen Ausmaßes.

Bezahlen müssen es vor allem die kleinen Leute. Und dafür werden sie den Politikern irgendwann ziemlich furchtbar in den Hintern treten. Wahlerfolge von Figuren wie Komiker Grillo sind nur ein Vorgeschmack.

Die Chaotisierung politischer Prozesse schreitet voran. Weil ja niemand schuld sein will am finalen Chaos. Grotesk, aber leider wahr.

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