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Ein Kaufmann soll den Grünen Hügel aufräumen

von Jens Peter Paul | 20. März 2012

Die ursprünglich mit vielen Erwartungen befrachtete Alleinherrschaft der Halbschwestern auf dem Bayreuther Grünen Hügel geht zu Ende: Den beiden Leiterinnen der Richard-Wagner-Festspiele, Eva Wagner-Pasquier (66) und Katharina Wagner (33), wird so schnell wie möglich ein Kaufmann als dritter Geschäftsführer zur Seite gestellt. Dies beschloß der Verwaltungsrat der Richard-Wagner-Festspiele auf seiner jüngsten Zusammenkunft in München. Man werde das tun, was in allen anderen Opernhäusern auch üblich sei, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Toni Schmidt gegenüber stateblog.de. Den Aufsehern sei schon länger klar, daß – so wörtlich – „wir uns auf dem Feld der kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Leitung in Bayreuth verbessern müssen“. Von einer Entmachtung der Wagner-Schwestern könne aber nicht die Rede sein.

„Die beiden Damen sind kooperativ, die sind auch nicht das Problem“, so Toni Schmid. Ärgerlicherweise glaube dennoch jeder, er könne „Bayreuth nach Belieben herunterschreiben“. Er erwarte jetzt endlich auch einmal einen – so wörtlich – „Hauch von Sympathie“ gegenüber Eva und Katharina und ihrer Leistung, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrates. Die Situation sei heute mit „Gesellschaftern in Hülle und Fülle“ schwieriger als früher, als ein Mann die Verträge mit sich selbst gemacht und niemand Einblick und Auskunftsrechte gehabt habe.

Aus dem Hause von Kulturstaatsminister Bernd Neumann in Berlin hieß es zu dieser Entwicklung, sie sei „konsensual“ erfolgt und „völlig richtig“. Toni Schmid ergänzte, Eva und Katharina hätten eingesehen, daß es so nicht weitergehen könne, und der Neuordnung der Festspielspitze zugestimmt, ja diese sogar selbst vorgeschlagen. Dies sei um so bemerkenswerter, als den Halbschwestern 2009 in ihren Verträgen laut Schmid ein alleiniger Führungsanspruch zugesichert worden sei.

Coaching, Verpflichtung von Beratern und andere Bemühungen um Professionalisierung hätten aber offensichtlich nicht ausgereicht, um den ungemein gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, so daß nun ein dritter Chef installiert werde. Ob die Stelle ausgeschrieben wird, sei noch offen. Er sehe sich bereits nach potentiellen Kandidaten um. Auf jeden Fall müsse der Neue – so Schmid wörtlich mit Blick auf die Halbschwestern – „dazu passen“ und auch mit Künstlern umgehen können. Details des weiteren Verfahrens seien nun mit den anderen Gesellschaftern zu besprechen und entscheiden.

Der Verwaltungsrat zieht mit der Neuordnung der Festspiel-Führung die Konsequenzen unter anderem aus einer Serie von Fragen und Beanstandungen von Bundes- und Landesrechnungshof, etwa wegen angeblich nicht gezahlter Sozialabgaben und Unregelmäßigkeiten bei der Kartenvergabe. Punkt für Punkt sei man diese in der Verwaltungsratssitzung durchgegangen. Frühere Beanstandungen habe man bislang stets zur Zufriedenheit der Rechnungshöfe beantworten können mit der Folge, daß bislang nicht ein einziger Bericht veröffentlicht worden sei, sagte Schmid zu stateblog.de. Insofern möge man doch bitte auch diesmal abwarten, was von den Behauptungen und Kritikpunkten am Ende übrigbleibe.

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