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Er wußte doch, daß er dort nicht langgehen darf

von Jens Peter Paul | 17. Februar 2012

In ein paar Monaten wird uns – so die Erfahrungen in solchen Fällen – die Meldung erreichen, die Ermittlungen seien eingestellt worden; für eine Anklage hätten die Beweise nicht ausgereicht; Filmfuzzy Dingsda habe noch eine Geldstrafe zahlen müssen wg. fahrlässigen Erweckens eines bösen Anscheins. Damit wäre dann amtlich: Ein Bundespräsident ist von „Bild“, „FAZ“ und „Süddeutsche Zeitung“ in verteilten Rollen, aber mit vereinten Kräften aus dem Amt gemobbt worden.

Glaubt jemand im Ernst, die Medien als solche würden nach einem so mühsam herbeigeschriebenen Rücktritt unbeschädigt, als Sieger gar aus dieser Nummer hervorgehen? Man verlangt von Wulff, endlich Souveränität zu zeigen und den Möbelwagen zu bestellen. Wie aber ist es um die Souveränität einer Gesellschaft bestellt, die nicht abwarten kann, ob Vorwürfe, Verdachtsmomente und eine Kollektion schlechter Haltungsnoten, vergeben von den Experten für anfechtungsfreies Leben – mehr liegt auch nach monatelanger Intensiv-„Recherche“ nicht vor – tatsächlich begründet sind, und dann zu entscheiden, ob einer als Staatsoberhaupt „tragbar“ ist?

Ich hatte in dieser Sache vom ersten Moment an ein ganz schlechtes Gefühl, und es ist nicht besser geworden. Wer als Journalist „Bild“ als Leitmedium akzeptiert, ja es erst noch bewußt dazu macht, verliert jeden Anspruch auf Intellektualität, auf den Vorrang des Geistes vor dem Bauch. Es tut so, als sei es Aufklärung, und ist in Wirklichkeit das exakte Gegenteil.

Wenn man dann die weinerlich-hämischen Berichte liest über Auftritte oder Auslandsreisen des Bundespräsidenten, den die „Affäre“ doch tatsächlich „überallhin verfolgt“, denke ich: Genausogut kann ich eine Oma überfallen, daß ihr der Oberschenkelhals bricht, ihr die Handtasche mit der Rente rauben und sie anschließend aus ihrer Wohnung klagen, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen kann. Ihre Verwandten stecken sie alsdann ins Heim, weil sie nunmehr am Stock geht und mit ihren Schürfwunden einen arg erbärmlichen, nicht vorzeigbaren Anblick liefert.

Wenn dann einer meint, so gehe das aber nicht, entgegne ich: Selber schuld! Sie wußte doch ganz genau, daß sie um diese Uhrzeit nicht alleine dort langgehen darf.

Wulff wußte doch ganz genau, daß ihn niemand als Staatsoberhaupt haben wollte. Mit Ausnahme dieser dummen Bundesversammlung, dem vom Grundgesetz geschaffenen Gremium mit dem alleinigen Zweck und als einziges legitimiert, Bundespräsidenten zu machen.

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