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ZDF-„heute“ blamiert sich zum Mauer-Jahrestag

von Jens Peter Paul | 14. August 2011

Screenshot der ZDF-19 Uhr-"heute"-Ausgabe vom 13. August 2011 mit Moderator Matthias Fornoff

   In ZDF-„heute“ am 13. August 2011 um 19 Uhr anläßlich des 50. Jahrestages des Mauerbaues die Krönung der Nachrichtenkunst, dargeboten von Matthias Fornoff:

   „Systematisch wurde in den Folgejahren die gesamte innerdeutsche Grenze befestigt. Schließlich durchschnitt der Eiserne Vorhang das Land auf einer Länge von 1.400 Kilometern.“
  

  Wer es nicht besser weiß, muß annehmen, daß die Grenzanlagen nach dem 13. August 1961 anfangs nur an wenigen Stellen – etwa zwischen Sachsen und Bayern –  existierten und erst nach und nach gen Norden ausgebaut wurden, dort also noch eine ganze Zeit lang durchlässig gewesen seien. Diese Darstellung wird durch die animierte Grafik (siehe Screenshot) noch unterstützt: In dieser beginnt der Mauerbau ganz im Osten an der Grenze zur damaligen Tschechoslowakei, setzt sich dann gemächlich fort entlang der Zonengrenze zunächst nach Westen, dann nach Norden, um irgendwann später an der Ostsee östlich von Lübeck zu enden. 

   Für die Tage und Wochen nach den Währungsreformen West und Ost 1948, als die Abgrenzung der „Ostzone“ an vielen Stellen noch provisorisch und unvollkommen war, mag man das mit Ach und Krach gelten lassen, nicht aber für den 13. August 1961 und die Wochen und Monate danach: Die Grenze war mit diesem Tag endgültig dicht, der Versuch ihrer Überwindung (der vor diesem Datum mit ein wenig Glück und Geschick unversehrt gelingen konnte) endgültig lebensgefährlich.

      Wäre es anders gewesen, wäre es ja auch noch eine gewisse Zeit lang weder für Ost-Berliner noch für die Menschen in Sachsen oder Thüringen ein Problem gewesen, nach Norden auszuweichen und dort in den Westen abzuhauen.

   Doch zu dieser kurzen logischen Überlegung war in der Redaktion offensichtlich niemand fähig. Statt dessen scheint man erneut den Verlockungen der grafischen Möglichkeiten erlegen zu sein. Wie man sie dann nutzte, hatte mit den tatsächlichen Gegebenheiten nur leider nichts mehr zu tun. Es ließe sich noch nicht einmal als Entschuldigung ins Feld führen, die Grenzzäune seien eben erst nach und nach von Süden nach Norden durch eine Mauer ergänzt worden, weil das – natürlich – an allen der DDR damals logistisch möglichen Stellen gleichzeitig geschah. 

   Kurzum: Das ZDF hat zum 50. Jahrestag des Mauerbaues in seiner Hauptnachrichtensendung einen unfassbaren Stuß erzählt.

   Von einer Richtigstellung ist auch 24 Stunden später nichts bekannt. Sie wäre gerade mit Blick auf jüngere Zuschauer, die bei diesem Thema auf korrekte Darstellungen angewiesen sind, bitter notwendig.

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