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Mein lieber Scholli: Ein Bayreuther Sumpf

von Jens Peter Paul | 28. Februar 2011

   Inzwischen wird zumindest in Umrissen deutlich, wieviel – offenbar jahrelange – Vorarbeit zu Guttenberg in Bayreuth und Umgebung leisten mußte, um auch nur eine theoretische Chance zu erhalten, als Doktorand an dieser Universität akzeptiert zu werden:  

–  1.  Stiftung einer Professur über die Rhön Klinikum AG, um nach Abschluß des Jura-Studiums überhaupt erst einmal wieder einen Fuß in das Tor zum Campus zu bekommen.

–   2. Zielgenaue Netzwerkarbeit innerhalb der CSU, weil er ohne die freundliche Unterstützung in Gestalt einer Sondergenehmigung eines CSU-Spezis, der praktischer Weise zur richtigen Zeit gerade als Dekan der Fakultät vorsaß, mit seinem sehr mittelmäßigen ersten Staatsexamen bereits an den formalen Voraussetzungen gescheitert wäre.

–   3. Vernebelung des Koryphäengeistes von Doktorvater Professor Häbele mit der Folge, daß der vertrauensselige Mann vor lauter Gutsherrenzinnober (dem ja selbst viele Menschen erliegen, die zu Guttenberg nur aus dem Fernsehen kennen, was man als partielle Erklärung für Häberles Total-Blackout wenigstens erwähnen darf) gar nicht merkte, welcher Schmarrn ihm da untergeschoben wurde.

   Sage noch einer, das sei kein planmäßiges Vorgehen. Kein Wunder, daß zu Guttenberg mit diesem Programm, mit dem er die offenbar gut begründeten Regularien der Fakultät mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln Punkt für Punkt aushebelte,  für seriöse wissenschaftliche Forschung keine Zeit mehr hatte.

   Warum hätte er sich auch mühen sollen? So funktionierte es doch nicht nur viel besser, sondern sogar – siehe Bewertung seiner sogenannten Arbeit – mit maximalem Output, ein Output, den er auf konventionellem Wege (Intelligenz, Fleiß, Ausdauer, Einfallsreichtum, Ehrlichkeit), wie gesehen, niemals hätte erzielen können, weil ihm die erforderlichen Instrumente und Eigenschaften fehlten. 

   Was kommt da noch? Mein lieber Scholli. Das wird ja immer unappetitlicher. 

   Ist jemand so freundlich, diesen Bayreuther Sumpf gründlichst trockenzulegen? Der Uni fehlt dazu offensichtlich die Kraft (je verständlicher, desto mehr sagenhafte Details ans Licht kommen) – und Seehofer die Einsicht. Merkt er gar nicht, wie sich das gleich doppelt auch zur CSU-Affäre entwickelt?   

   Wenn das noch drei Tage so weiter geht, tritt die Kanzlerin mit Totalschaden zurück, während Guttenberg im Amt bleibt (er würde es zumindest irrtümlich vermuten, wenn man ihm die Nachricht ins Büro reicht).

   Guttenberg, das ist für Merkel und Seehofer ein brennender, aber noch langsam steigender Fesselballon. Je länger sie mit dem Absprung warten, desto größer ihre Angst, denn desto schwerer ihre Verletzungen beim Aufprall. Aber inzwischen ahnen sie auch, daß der ganze Ballon ohnehin abstürzen wird, wenn er erst ausgebrannt ist.

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