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Guttenberg an seidenem Faden

von Jens Peter Paul | 25. Februar 2011

   Meine Prognose: Angela Merkel wird sich die Guttenberg-Sache am Wochenende im Angesicht des unverändert verheerenden Medienechos und des jetzt schon enormen Flurschadens noch einmal sehr genau überlegen. Sonntagabend wird sie Seehofer anrufen und ihn fragen, ob er bereit sei, Guttenberg den Rücktritt nahezulegen, oder ob sie das, &%§###**!!! (brandenburgischer Fluch, den wir nicht übersetzen, den Seehofer aber auch so mühelos versteht), selbst erledigen müsse.

   Seehofer wird ablehnen mit Hinweis auf die Gefahr, daß Guttenberg mit Sarrazin eine nationalkonservative Partei gründen könnte, wie er es unter vier Augen bereits angedroht habe. Das, so Seehofer, würde seine CSU in eine existentielle Krise stürzen; Merkel könne dies deshalb nicht von ihm verlangen. Jene wird grußlos das Gespräch beenden.

   Eine halbe Stunde später wird von Klaeden Guttenberg anrufen und ihm mitteilen, daß er die Wahl habe: Merkel den Rücktritt von sich aus anzubieten – sie werde diesen, versprochen, mit allen nur denkbaren Respektsbekundungen, größtem Bedauern und summa cum laude über seine Ministerqualitäten sowie einem Gesichtsausdruck höchster Widerwilligkeit annehmen – oder am Montag in aller Form von ihr gefeuert zu werden. Dann allerdings in Form eines 45-Sekunden-Auftritts mit Minimalformulierung und ohne erkennbares Bedauern, vielleicht sogar, wenn Guttenberg es partout auf die Spitze treiben wolle, als III.-Klasse-Anhang zu einem Gaddafi-ist-ein-elender-Drecksack-Pressestatement.

   Bis zum letzten Augenblick wird Guttenberg schwanken, Ergebnis damit offen.

   Nein? So wird es nicht kommen? Dann werden wir uns ab diesem Moment um die Kanzlerin ernsthaft Sorgen machen müssen. Die Affäre entwickelt Sprengkraft für die Zerstörung der Regierung insgesamt – einschließlich ihrer Chefin.

Topics: Kultur und Politik | Keine Kommentare »

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