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Fax an (030) 227-76794 MdB-Büro Schavan

von Jens Peter Paul | 25. Februar 2011

 

Sehr verehrte Frau Professor Schavan,

   mit jedem Tag werden die verheerenden Folgen der Guttenbergschen Betrugsaffäre für diese Regierung und speziell Ihre Partei deutlicher. Heute nun ein ausführliches Interview von Ihnen zum Bildungsstandort Deutschland – ausgerechnet in der Online-Ausgabe jenes Blattes, das mit sogenannten Volksabstimmungen, aber offensichtlich nicht ohne Erfolg versucht, den Handlungsspielraum der Bundeskanzlerin im Umgang mit dieser Personalie einzuschränken und ganz nebenbei damit im Grundgesetz verankerte Regeln unserer Demokratie an zentraler Stelle zu unterlaufen. Zur Causa Guttenberg und seinen Konsequenzen für den deutschen Wissenschaftsbetrieb dagegen von Ihnen nach wie vor kein Wort. 

Thomas Steinfeld schreibt dazu in der Süddeutschen Zeitung:

Hätte nicht Annette Schavan, die Ministerin für Bildung und Forschung, die Propagandistin der Exzellenz und des akademischen Wettbewerbs, die Erste sein müssen, die in dieser Affäre auf Einhaltung der akademischen Standards pochte – anstatt den Kollegen sogar in Schutz zu nehmen?

   Natürlich hätte sie. Aber sie hat nicht. Sie läßt – nur als Beispiel – Norbert Lammert, der sich als einziger getraut hat, so deutlich wie ihm möglich zu sagen, was längst offensichtlich ist, nämlich daß die Situation untragbar geworden ist und mit ihr der Mann, der sie herbeigeführt hat, genauso allein wie alle anderen sogenannten Parteifreunde.

   Damit tragen Sie dazu bei, daß Professor Lammert, der die Hoffnung auf Intellektualität und Redlichkeit jenseits vermeintlicher taktischer Vorteile in der CDU noch nicht aufgegeben hat, als angeblicher Nestbeschmutzer in den eigenen Reihen zum Außenseiter wird. Entsprechend wird er ja bereits von nicht wenigen Fraktionskollegen behandelt.

    Ihr Agieren, verehrte Frau Ministerin, ist also nicht nur politisch fatal, sondern auch menschlich blamabel. Man greift sich deprimiert an den Kopf, welch Geistes Kind diese Regierung eigentlich ist.

    Mit freundlichen Grüßen

    Dr. Jens Peter Paul

 

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