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Merkel macht Guttenbergs Blamage zur eigenen

von Jens Peter Paul | 21. Februar 2011

   Der Ausdruck „mühevollste Kleinarbeit“, den der Minister in seiner Erklärung zu den Umständen seiner Promotion bemühte, passt. Eine so aufwendige und liebevoll hergestellte Täuschung findet man in der jüngeren deutschen Universitätsgeschichte nicht so leicht. (…)

   Ob ein Verteidigungsminister promoviert ist, tut in der Tat nichts zur Sache. Kanzlerin Merkels Spruch aber, sie habe keinen wissenschaftlichen Assistenten ins Kabinett berufen, ist wohlfeil und herablassend gegen Leute, die es mit der Wahrheit und der Leistung ernster nehmen. Denn nicht die juristische Qualität der Arbeit, sondern die Ehrlichkeit ihres Verfassers steht in Frage.

   Jemanden, der sich einen Karriereabschnitt zusammenfingiert hat und wissenschaftlich posieren wollte, ohne etwas Eigenes anbieten zu können, hat Frau Merkel jedenfalls zum Verteidigungsminister dazubekommen. Man könnte fragen, wie gescheit man sich jemanden vorstellen soll, dessen Ehrgeiz ihn für so wenig so viel hat riskieren lassen.

   Auszüge aus: Jürgen Kaube: „Vgl. auch Guttenberg 2009“.

   Veröffentlicht  am  21.  Februar  2011  in  faz.net (Printausgabe FAZ-Feuilleton am Folgetag).

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