« | Home | »

Die Union und die Erosion bürgerlicher Werte

von Jens Peter Paul | 14. Dezember 2010

Westerwelle ist nur das schlimmste Beispiel, bei weitem nicht das einzige: Die Verwirrung innerhalb des sogenannten bürgerlichen Lagers über Werte und Normen ist offensichtlich grenzenlos. Sie wissen nicht mehr, was man tut und was man sein lässt.

Daß Politik mehr zu sein hat als ein Selbstverwirklichungstrip. Daß Verantwortung für selbst eingegangene Risiken nicht nur für den kleinen Mann, sondern auch für Banken und Staaten zu gelten hat. Daß es, von fachlichen Fragen abgesehen, zutiefst unlauter ist, den vier großen Energiekonzernen per Laufzeitverlängerung eine Brücke zum Vertragsbruch zu bauen, deren Benutzung sogar sie selbst nach der nächsten Wahl bereits bereuen dürften. Verläßlichkeit? Anstand? Berechenbarkeit? Verzicht auf den kurzen Vorteil zugunsten wichtigerer Werte? Nichts von alledem.

Wenn die Diagnose nun sogar die soeben noch gepriesene Galionsfigur zu Guttenberg trifft, ist das besonders bitter. Aus dem Afghanistan-Krieg mit Hilfe eines gescheiterten sogenannten Talkmasters eine Show zu machen, ist jedoch komplett daneben.

Ich, ich, ich, mein Glamour, mein Image – diese Hierachie hat fertig. Chefin Angela Merkel hätte ihrem Minister, wäre wenigstens ihr Koordinatensystem noch intakt, längst öffentlich einen strengen Verweis erteilt. Doch der Opportunismus ist auch in diesem Fall stärker. Eine armselige Veranstaltung, diese Koalition. Werte-los und als Vorbild, ähnlich einem großen Teil der Finanz- und Wirtschaftselite, komplett unbrauchbar.

Kein Wunder, daß immer weiteren Wählerkreisen selbst waldschratverdächtige Grüne längst lieber sind als komplett desorientierte Unionspolitiker: Erstere haben nicht nur Ideale, sondern leben und wirken auch noch danach. Das ist für viele Bürgerinnen und Bürger inzwischen sogar wichtiger als die Frage, inwieweit sie selbst mit diesen Idealen übereinstimmen.

Topics: Kultur und Politik | Keine Kommentare »

Einen Kommentar schreiben

du musst angemeldet sein, um kommentieren zu können.