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Arme Tore am WM-Mikrofon

von Jens Peter Paul | 22. Juni 2010

Sie reden ohne Punkt und Komma, vor dem Spiel, während des Spiels und danach sowieso – aber „Tor“ zu sagen, wenn ein Tor gefallen ist, liebenswürdiger Weise für alle, die noch anderen Beschäftigungen nachgehen, vielleicht sogar mit Nennung der hier gerade erfolgreichen Mannschaft (es muß ja gar nicht in 54er-Manier wieder und wieder geschrien werden), das bringen die TV-Edelkommentatoren nicht mehr fertig.

Es gilt offenbar in Südafrika als cool, die wichtigsten Informationen der Veranstaltung zu unterschlagen. So ist der Zuschauer auf seine eigene Wahrnehmung (bei oft schwierigen Lichtverhältnissen auf dem Platz) angewiesen: War der nicht eben drin? Warum aber sagt der Reporter das Zauberwort nicht, sondern quasselt einfach in unveränderter Tonlage weiter mit brillanten Analysen der Entstehung dieser Situation und der Folgen? War es Abseits oder nur das Außennetz? Oder weiß es der Mann am Mikro vielleicht selbst nicht so genau und wartet lieber ab, rettet sich mit irgendwelchen Details, wer wo warum wie gestanden/gelegen/geschossen/geschlafen hat, über die Zeit ?

Zuschauer-Jubel fällt wg. Vuvulärm als Indikator aus. Ungeduldig starrt man nun auf die Mini-Anzeige oben links. Nein – die einen freuen sich doch und die anderen sind niedergeschlagen – es muß also doch geklingelt haben… Erst die Zeitlupe liefert schließlich die Bestätigung.

Manchmal hilft nur der alte Ausweg: Fernsehton aus, Radio an.

Arme Tore. 

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