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Paradingsdawechsel zugunsten von Steinmeier?

von Jens Peter Paul | 25. August 2009

Täusche ich mich oder deutet sich in diesen Tagen ein hauchzarter, zunächst sicher nur medialer Klimawandel zugunsten der Steinmeier-SPD an?

Dafür spricht, daß auch die Enttäuschtesten der von den Genossen enttäuschten Pulver und Kugeln auf diese Partei verschossen haben in den vergangenen Monaten. Noch mehr herunterzuschreiben und zu kritisieren gibt es kaum; es langweilt inzwischen selbst die Autoren. Die bevorstehenden Landtagswahlen könnten ohne weiteres unschön für die Union ausgehen. Damit haben wir schon zwei erfahrungsgemäß wichtige Faktoren, das Pendel – genauso heftig – zurückschlagen zu lassen – dann auf die Konservativen und Liberalen.

Kein Journalist will schließlich zu spät kommen, wenn es darum gehen könnte, einen neuen, ja diesmal fast sensationellen Trend zu kreieren, der da lautet: Unfassbar – die SPD ist wieder da! Naaaasoooooowassss!!! Aber die Ingredienzen müssen vorhanden sein und im Berliner Hexenkessel in der richtigen Dosis, Temperatur  und Mischung köcheln, um die für eine solche Wahrnehmungs- und Beschreibungswende („Paradigmenwechsel“ heißt das in Mitte) erforderliche Gruppendynamik auszulösen. Selbst altgediente Graswachsenhörer sind da mit Prognosen, wann es soweit ist und überhaupt, in aller Regel überfordert.   

Die Vorstellung, die CDU, CSU und FDP bei der voreiligen und aufs Volk sicher nicht eben sympathisch wirkenden Verteilung erst noch am 27. September zu erringender Posten abliefern, läßt manchen Beobachter schon die bange Frage stellen, ob er sich dieses sachfremde Gekeife wirklich eine volle Legislaturperiode lang antun will. Zumal – vierter, aber nicht unwichtigster Punkt – die einige Tage lang vermeldete und gefühlte Die-Krise-ist-vorbei-es-geht-wieder-aufwärts-Stimmung einer wieder skeptischeren Betrachtung der Entwicklung in 2010 gewichen ist, was an die Krisenbewältigungskompetenz auch der nächsten Regierung Anforderungen stellt, die speziell FDP und CSU nach allgemeiner Wahrnehmung mutmaßlich nur mangelhaft zu erfüllen vermögen.

Es wäre ja nicht das erste Mal, daß man aufwacht und die launische politische Welt der Berliner Republik sieht plötzlich ganz anders aus als noch am Vorabend und ein vermeintlich sicherer Verlierer wird von großen und kleinen Kommentatoren plötzlich als einer dargestellt, der eigentlich doch in die Lage, in der wir sind, gar nicht so schlecht passen würde… 

Ob der kommende Montag nach den Landtagswahlen vielleicht so ein Tag wird? Ausgezählt wird, wie stets, erst am Schluß. Das weiß auch Herr Westerwelle, und deshalb ist er zappeliger denn je.        

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