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Dienstwagenaffärenarmleuchter

von Jens Peter Paul | 2. August 2009

Ulla Schmidts Gesundheitspolitik war und ist mir seit je her suspekt. Aber eines sollte allen, speziell den Medien und dem feixenden politischen Gegner, auch klar sein: Die Erlaubnis zur privaten Nutzung eines Dienstwagens ist bereits in mittelgroßen Unternehmen ab der zweiten Führungsebene längst Standard. Und dieses „Privileg“ genießen Leute, die nicht im entferntesten eine (wie auch immer konkret wahrgenommene) Verantwortung tragen wie eine Ministerin, deren Entscheidungen direkten Einfluß haben auf das Leben so gut wie aller Bundesbürger. 

Wenn nun ein Randereignis wie eine rechtlich offenbar einwandfreie, moralisch aber angeblich fragwürdige Dienstwagensamtfahrernutzung die Karriere dieser Frau zu zerstören im Stande ist, dann werden in Zukunft noch weniger ernstzunehmende, kompetente Menschen bereit sein, ihr Leben einem (eher mäßig bezahlenden) politischen Betrieb zu widmen, sondern sich vielmehr fragen: Warum sollte ich mir das antun? – was die Antwort impliziert.

Die Idioten- und Versagerdichte, heute schon auf lokaler und Landesebene in der Politik nicht eben gering, wird sich dadurch (neben der dramatischen Einschränkung der Gestaltungsmöglichkeiten auf Grund der 2009 stark steigenden Staatsverschuldung) auf Bundesebene spürbar erhöhen. 

Im übrigen wissen das viele Journalisten und sagen es (inzwischen) auch. Dennoch war die vermeintliche „Dienstwagenaffäre“ auch in ihren Blättern tagelang Top-Thema. Den Mut (braucht man den inzwischen tatsächlich für eine handwerklich korrekte Entscheidung?), den Vorgang dorthin zu hängen, wohin er gehört, nämlich tiefer, hatten nur die wenigsten. Irgendwann ist unsere schöne Demokratie dann kaputt und alle schauen blöd aus der Wäsche.   

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