« | Home | »

Bayreuther Kartenhandel: Der Alte war es

von Jens Peter Paul | 9. Juni 2009

Der Versuch, Festspiel-Karten für diese Saison in großem Stil über Internet-Vermarkter loszuschlagen, verläuft offenbar in Wellen und dauert schon einige Monate. Auch der Wortlaut („großartige Nachrichten“, „neues, kleines Kontingent an Restkarten“) wurde schon vor Monaten verwendet. Dies läßt sich schließen aus einem Bericht des Radiosenders NDR-Kultur von Anfang April 2009 und Nutzer-Einträgen in Bayreuth-Foren wie des vom Nordbayerischen Kurier betriebenen Portals www.festspiele.de.

Die Welle Bayern 4 des Bayerischen Rundfunks (BR) zitierte auf seiner Website am 8. April daraufhin Festspiel-Sprecher Peter Emmerich in dem Sinne, die Festspiel-Leitung kritisiere diesen Verkauf „maßlos überteuerter Karten im Internet“ und wolle ihr „einen Riegel vorschieben“. Es handele sich „um eine Bereicherung, die wir nicht gutheißen und die nur dem Image der Festspiele schaden“.

Ausgesprochen schwammig äußerte sich Emmerich laut Bayern 4 auf die Frage, aus welchen Quellen die Kartenkontingente denn stammten. „Es ist offen, wie diese Anbieter an Karten gekommen sind“, wird Emmerich zitiert. Möglicherweise stammten die Tickets aus Kontingenten, „die der frühere Festspielleiter Wolfgang Wagner an Reiseveranstalter vergeben hatte“ (Emmerich laut BR am 8. April 2009). Wagners Töchter Eva und Katharina wollten „solche Vereinbarungen nun auslaufen lassen“. Nach „Intervention der Festspielleitung“ habe einer der Anbieter den Verkauf von Karten „bereits eingestellt“.

Allzu energisch kann die „Intervention“ nicht gewesen sein; jedenfalls blieb sie weitgehend folgenlos (siehe Eintrag von gestern). Wo der nicht unerhebliche Aufpreis landet, ob die Differenz zwischen Listen- und Internetpreisen geteilt wird zwischen Festspielen und Vermarktern, bleibt ebenfalls offen.

Um Fälschungen handelt es sich jedenfalls nicht; es wird auch von keiner Seite behauptet. Die Kartenanbieter erklären nach Darstellung von Käufern auf den Karten schriftlich, im Namen und im Auftrag der Bayreuther Festspiele GmbH zu handeln und das gleiche namentliche Registrierungsverfahren zur Unterbindung von Schwarzhandel anzuwenden wie die Festspiele selbst. Dies geht aus einschlägigen Postings in Bayreuth-Foren hervor.

Fazit: Eva und Katharina wußten von nichts, und schuld ist der neunzigjährige Alte.

 

Topics: Kultur und Politik | Keine Kommentare »

Einen Kommentar schreiben

du musst angemeldet sein, um kommentieren zu können.