« | Home | »

Von der Zeitungskrise zum Krieg aus Versehen

von Jens Peter Paul | 3. April 2009

Ohne Internetausgabe mußten sie sich als Schlafmützen bezeichnen lassen, die das neue Zeitalter nicht verstanden hätten. Mit Internetausgabe erwartet man nun von ihnen, daß sie ihre mühsam und teuer recherchierten und erarbeiteten Produkte verschenken: Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Und sie machen es. Zähneknirschend. Weil es, wie sie sich haben einreden lassen, leider keine Alternative gebe.

Bislang sind Versuche weitgehend gescheitert, das Publikum für noch so gescheite Online-Artikel zur Kasse zu bitten. Und doch ist auch der aktuelle Zustand, wie die Existenzkrise auch großer Verlage in den USA zeigt, nur eine Übergangsphase mit einem Überangebot an zuverlässiger, professionell hergestellter, weltweit auf Knopfdruck verfügbarer, aber kostenloser Information.

Wenn die Erzeuger dieser Information nun – auch von deutschen Verlagen genau und mit Sorge beobachtet – reihenweise umkippen, wird es diese bald nicht mehr geben. Es dürfte sich eine neue Phase anschließen, in der das Publikum sagt: Okay, schade um die Dinos, es ist zwar jetzt mühsamer zusammenzusuchen und schlechter geschrieben, aber es geht auch so, mit von Amateuren und Interessengruppen ins Netz gestellter Nachrichtenware. Hauptsache immer noch kostenlos, schnell und ubiquitär verfügbar. 

Bis zu jenem Tag, an dem eine Falschmeldung einen riesigen Schaden anrichten wird. Bis, im Extremfall, zur Auslösung eines Krieges aus Versehen, beruhend auf unzutreffenden Darstellungen. Weil mit den Qualitätszeitungen und -agenturen die verläßlichen Quellen ausgestorben sind. Das Internet wird in eine beispiellose Vertrauenskrise geraten und vielleicht die eine oder andere Demokratie gleich mit.

Dann, erst dann wird es den Menschen dämmern, daß verläßliche, nicht interessengeleitete, vertrauenswürdige Informationen mindestens so viel wert sind wie der Gegenwert eines Zeitungsabonnements oder einer GEZ-Gebühr. Falls mit diesen Begriffen dann noch jemand etwas anfangen kann. Dem E-Book wird es nach -zig „gelungenen“ Manipulationen der ursprünglichen Buch-Inhalte übrigens ähnlich gehen. Die Autoren, neulich noch stolz darauf, ihr Werk ohne Hilfe eines Verlages nach dem Vorbild der Musikbands online publiziert zu haben, werden sich, konfrontiert mit dämlichen bis gefährlichen Variationen ihrer Arbeit, die Haare raufen. Dumm nur, wenn der letzte altmodische Verlag, die letzte Buchhandlung dann längst verschwunden ist.  

Deshalb: Bitte, bitte Papierfabriken und Druckereien nicht flächendeckend abwracken, sondern wiederbelebbar einmotten. Bedrucktes Papier wird dereinst dringender gebraucht werden denn je.

—————————-

Quelle:    Jens Peter Paul in www.statement.de

Topics: Kultur und Politik | Keine Kommentare »

Einen Kommentar schreiben

du musst angemeldet sein, um kommentieren zu können.