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Binnennachfrage muß den Export ersetzen

von Jens Peter Paul | 2. März 2009

Die AIG-Katastrophe, die heute Börsen und Hoffnungen weltweit abstürzen ließ, verlangt auch in Deutschland nach bisher undenkbaren Konsequenzen. Eine sollte lauten: Globalisierung, Exportweltmeister, Euro – diese drei Dogmen für einige Jahre auf Eis legen.

Die Erkenntnis, daß eine Gesundung der weltweiten Handelsbilanzen zwangsläufig nur gelingen kann, wenn alle Staaten zu einer radikalen Revision ihres bisherigen Konsumverhaltens bereit sind, bedeutet auch für Deutschland einen Paradigmenwechsel. Unsere bisherigen Abnehmerländer können und dürfen in Zukunft nicht mehr so viel bei uns einkaufen wie gewohnt, jedenfalls nicht zu den gewohnten Preisen. Deutsche Produkte waren lange Jahre zu billig; ihr Preis entsprach nicht ihrem tatsächlichen Wert. Die Einführung des Euro hat dieses Phänomen nicht etwa gemindert, sondern sogar noch verstärkt.

Die Übereinkunft zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik, im Interesse des Exportgeschäfts weniger zu verlangen als – im internationalen Vergleich – angemessen („Lohnstückkosten“), ist überholt, vielleicht war sie sogar fatal. Es sei an dieser Stelle dahingestellt, ob hierin tatsächlich eine wichtige Ursache der globalen Ungleichgewichte zu suchen ist. Falls ja, hätte sich Deutschland – anders als das dafür regelmäßig herb kritisierte China – lange perfekt hinter dem Euro versteckt. Wie in einer logischen Sekunde Silvester 1998 anhand des Währungskorbes die Umrechnungskurse fixiert wurden, hat ohnehin nie eingeleuchtet.

Wenn es nun heißt, es sei in Deutschlands ureigenstem Interesse, mit Milliarden-Transfers ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu verhindern, deutet sich der nächste große Fehler an. Ob mit oder ohne Euro – auf den Export werden wir die nächsten Jahre kaum bauen können. Auch wenn es verpönt ist, weil es traditionell die falschen Leute wie Lafontaine fordern – Deutschland braucht dringend Binnennachfrage, um die Depression zu überwinden. Binnennachfrage, die durch eine Verbilligung der Importe, etwa Energie, Rohstoffe, stimuliert werden kann und keinesfalls durch Kaufkraftabfluß Richtung Irland / Ungarn / Österreich / Spanien / Griechenland / Italien / Portugal / Ukraine etc. vollends abgewürgt werden darf. Gleichzeitig würde Deutschlands Kreditfinanzierung billiger, was sich lindernd auf die Steuerbelastung der Konsumenten und damit ebenfalls hilfreich auf die Binnennachfrage auswirken würde. Help yourself, dann können wir auch den Nachbarn (bald) nachhaltig helfen.

Eine Schwächung der deutschen Volkswirtschaft, indem man sich mit Notreparaturen der Währungsunion (das nächste Faß ohne Boden) durchwurschtelt, nützt auf die Dauer niemandem. 

Im Moment hätten wir noch die Chance, die Europäische Währungsunion in einem geordneten Verfahren für zwei oder drei Jahre auszusetzen, anstatt dies einem chaotischen Prozeß zu überlassen. Eine Wiedereinführung der D-Mark ließe ungeahnte Kräfte aufblühen.

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Quelle: Jens Peter Paul auf www.statement.de                   

Topics: Kultur und Politik | Keine Kommentare »

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