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Steinmeier will gar nicht Kanzler werden

von Jens Peter Paul | 13. Januar 2009

Eine gute Stunde hatte man heute Zeit, Merkel und Steinmeier, Kanzlerin und Vize, Verteidigerin und Herausforderer, Seite an Seite im Zusammenspiel zu beobachten. Ergebnis: Sie ist die Chefin – und er ihr Sekundant. Ihr Zuarbeiter. Fast: Mitarbeiter. Und nicht einen Moment lang erweckte Steinmeier den Eindruck, etwas anderes sein oder werden zu wollen. Irgendwie wirkte der Sozialdemokrat subaltern – mit Stil, ja, höflich, nett – aber im Kern zweitrangig. Wohl niemand im Saal der Bundespressekonferenz hatte das Gefühl, hier stimme die Rollenverteilung nicht, eigentlich müsse Steinmeier der Boss sein und Merkel seine Vertreterin.

Okay: Für Machoallüren á la Schröder wäre die Präsentation des Konjunkturpaketes II auch nicht der passende Anlaß gewesen. Aber hier und da hätte Steinmeier zumindest den Hauch einer Idee erzeugen können, daß er es besser weiß, wie Führung in diesen Zeiten auszusehen hat, und es auch besser kann. Nein: Dieser Mann will im tiefsten Inneren gar nicht Kanzler werden. Statt dessen: Alles schön so. Keine Konstellation als jene dort vorne sitzende aus Merkel, Steinmeier, Seehofer hätte das besser gepackt. Sagten alle drei. Mit soliden Mehrheiten und dem Triumpf der Vernunft über eventuelle kleinkarierte Parteiprofilierungsversuche zu Lasten des Gemeinwohls.

Tja. Was wird der Wähler davon halten? Warum sollte er eine Frau abwählen, die offensichtlich selbst von ihrem schärfsten Rivalen als nach Lage der Dinge optimale Besetzung anerkannt wird? Und warum sollte der Wähler – Punkt 2 – eine friedliche, konstruktiv mitarbeitende SPD ersetzen durch eine rebellische FDP, die bereits droht, das Gesetzespaket im Bundesrat kraftmeierisch auflaufen zu lassen, ohne es auf Dauer wirklich aufhalten zu können?

So angenehm wie mit dieser SPD wird es Angela Merkel nie wieder haben. Denkbar, daß sie selbst das zu ahnen beginnt. Mag sein, daß die Krise im Spätsommer weitgehend überstanden ist und der Wahlkampf bereits wieder von anderen Themen dominiert wird. Aber wahrscheinlich ist das nicht. Und da die deutschen Wählerinnen und Wähler traditionell ein feines und sogar gelegentlich (so 2005) weit vorausschauendes Gespür dafür haben, welche Koalition jeweils am besten in die Zeit paßt, spricht im Moment viel für eine Neuauflage von Schwarz-Rot nach dem 27. September – mit Merkel an der Spitze.

Doch nehmen wir einmal an, es würde reichen für eine christlich-liberale Koalition, aber nur sehr knapp, mit nur zwei, drei Stimmen mehr als zur Kanzlerinwahl nötig: Frau Merkel könnte auf den Gedanken kommen, eine solide Mehrheit sei schlauer als eine wackelige – und die große Koaltion fortsetzen. Gejammer über die Zumutung, miteinander auskommen zu müssen, hat man ja schon seit einigen Wochen weder aus der Union noch aus der SPD gehört.

Westerwelle muß sich vorsehen. Gerade jetzt.          

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