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Kahlschlag in der FAZ

von Jens Peter Paul | 12. Januar 2009

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und speziell ihr Feuilleton haben sich im vergangenen Jahr vielfach selbst übertroffen. Es handelte sich in vielen Ausgaben um Zeitung at its best. Daß dieser geniale Standard nicht ewig zu halten sein würde, sondern als Grundlage neben geistigem Potential der Macher(innen) unter anderem auch florierende Verlagsumsätze benötigte, war klar.

Um so herber der Rückschlag pünktlich zum Neujahrstag 2009: Abschaffung des täglichen Strizz-Comics, Vernichtung der TV-Programmvorschau, Vernichtung des Hörfunk-Überblicks, Abschiebung der Beilage „Technik und Motor“ in die Wochenend-Ausgabe. Und das alles ohne halbwegs plausible Begründung.

Was, um Gottes Willen, ist los an der Frankfurter Hellerhofstraße? Und was kommt da noch? Die Umfänge müssten aus Kostengründen reduziert werden, ist zu hören. Man wolle aktueller über neue Auto-Modelle berichten, da störten am Dienstagstermin bisher oft Veröffentlichungs-Sperrfristen (mit Verlaub: So ein Quatsch – als ob es dem FAZ-Leser bei einer Auto-Kriktik auf eine Woche früher oder später ankäme). Kater-Paul-Schöpfer Volker Reiche habe sich verausgabt und könne nicht mehr täglich produzieren (stimmt nicht: Die Folgen waren bis zuletzt liebenswürdige, aber auch nachdenkliche Kommentare zu hochpolitischen Ereignissen). Das Fernsehprogramm könne man unter faz.net im Internet nachlesen (die Zeitung als bessere Linksammlung oder was? Das braucht kein Mensch).

Kündigt sich so ein nuklearer Winter in der Medienbranche an – noch schlimmer als die (vielen noch in den Knochen steckende) Depression in den Jahren nach 2001? Besser ist die FAZ jedenfalls nicht geworden. Es fehlt plötzlich allerhand.       

Topics: Kultur und Politik | Keine Kommentare »

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