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Bayreuth: Gottfried Wagner will Katharina sehen

von Jens Peter Paul | 21. August 2008

Berlin/Mailand, 21. August 2008 – Wagner-Urenkel Gottfried Wagner (61) ist bereit, sich mit seiner Halbschwester Katharina (30) zu treffen. Dies sagte der Musikwissenschaftler und Historiker gegenüber statement.de. Das Treffen solle „auf neutralem Boden stattfinden“. Wörtlich erklärte der Sohn aus der ersten Ehe des amtierenden Festspielleiters Wolfgang Wagner: „Es geht mir erst einmal um die Klärung  offener Fragen: Die umfangreichen Hitler-Briefe, Richard Wagners Antisemitismus, den künftigen Umgang mit dem Thema ‚Familie Wagner und Hitler‘, die Bayreuther Arno-Breker-Büsten und die Erweiterung des Spielplanes der Bayreuther Festspiele. Ich werde zu diesem Treffen auch meine Schwester Eva bitten.“ Es wäre die erste Begegnung von Gottfried und Katharina seit einer sporadischen in Katharinas frühen Kindertagen.

Wenige Tage vor einer Zäsur in der Führung der Bayreuther Festspiele kommt somit in die traditionell verfeindete Wagner-Dynastie immer mehr Bewegung – mit Gottfried und Katharina als treibenden Kräften, während Eva Wagner-Pasquier (63) unverändert im Hintergrund bleibt. Gottfried Wagner ließ offen, ob das Geschwistertreffen noch vor der nächsten Sitzung des Stiftungsrates am 1. September stattfinden werde, in der über die gemeinsame Bewerbung von Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner beraten und eventuell auch bereits entschieden werden soll. Da er weiterhin „keinerlei Festspielhügelambitionen“ habe, stehe er nicht unter Zeitdruck, sagte er zu statement.de: „Hauptsache für mich ist, daß den Worten Katharinas, sie stehe der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Festspiele positiv gegenüber, dann auch Taten folgen werden.“

Die Frage, ob ein Treffen mit Katharina eventuell sogar Auftakt oder Vorbereitung einer Aussöhnung mit seinem Vater Wolfgang sein könnte, etwa anläßlich des bevorstehenden 89. Geburtstags des Seniors, ließ Gottfried Wagner offen. Zunächst gehe es ihm nur darum, inwieweit man in Bayreuth endlich bereit sein werde, sich der Vergangenheit zu stellen, und diese Frage müßten seine Schwestern verbindlich beantworten.

Katharina Wagner hatte gestern in einem Interview verlauten lassen, sie wolle sich erstmals mit ihrem Halbbruder treffen und auch seine Familie kennenlernen. Einer Aufarbeitung der Festspielgeschichte „durch seriöse Historiker“ werde sie sich „in keiner Form in den Weg stellen“. Eine Versöhnung mit Gottfried sei nicht nötig, weil man sich ja nie gestritten habe, erklärte sie weiter: „Wenn es eine Versöhnung geben sollte, dann zwischen meinem Vater und meinem Bruder.“

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