Merkel mit Plan „V“ wie „Vertrauensfrage“

von Jens Peter Paul | 20. Mai 2012

   Bundeskanzlerin Merkel erwägt, in dieser Woche im Bundestag die Vertrauensfrage zu stellen. Sie will damit die Konsequenz ziehen aus der Niederlage von Nordrhein-Westfalen und den Turbulenzen um Röttgen, Seehofer und den Euro sowie der Neuwahlforderung Gabriels, verfolgt aber anders als Schröder 2005 das Ziel einer möglichst glanzvollen Bestätigung ihrer Regierungsmehrheit und Regierungsfähigkeit.

   Die Aussprache vor und die Deutung des Ergebnisses der Vertrauensfrage soll der Union die Gelegenheit bieten, der SPD-Spitze ihre Zerstrittenheit und ihr Nicht-vorbereitet-sein auf eine Übernahme der Verantwortung vorzuhalten: „Wir haben eine Kanzlerin, der die Menschen vertrauen und der wir vertrauen – und Sie haben noch nicht einmal einen Kanzlerkandidaten!“ (so wird es sinngemäß Fraktionschef Volker Kauder deuten). Nicht zuletzt verlangt auch die Häufung von internationalen Schlagzeilen á la “Merkel alleine zu Haus” endlich nach einer Gegendarstellung wenigstens der Mehrheit des deutschen Parlaments.  

   Die Verknüpfung der Vertrauensfrage mit einer Sachfrage (wiederum nach dem Beispiel Schröders) ist nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen, weil sie einen Erfolg aus Sicht der Kanzlerin eher ohne Not erschweren würde, zumal eine geeignete Regierungsvorlage aktuell nicht zur Hand ist. Die Bescheinigung eines „Blanko-Vertrauens“ durch den Bundestag ließe Merkel ohnehin für den Rest der Legislaturperiode mehr Spielraum, als hätte man sie an ein konkretes Vorhaben gebunden, was bei nächster Gelegenheit die Frage aufwürfe, ob das Vertrauen denn nun auch für weitere ihrer Pläne gelte. Für sie wäre ein „personengebundenes“ Vertrauen somit wertvoller als ein „sachgebundenes“ – wie es das Grundgesetz ja auch originär vorsieht.

   Es soll sich diesmal also nicht wie bei ihrem Vorgänger um eine „unechte“, sondern um eine „echte“ Vertrauensfrage handeln. Da zwischen Antrag der Bundeskanzlerin und der Abstimmung laut Grundgesetz mindestens 48 Stunden liegen müssen, müßte sie ihren Plan spätestens am Dienstagmorgen um 9 Uhr offenlegen, wenn die Abstimmung in der regulären Plenarsitzung am Donnerstag (nach ihrer Rückkehr aus Brüssel vom Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs) stattfinden soll, desgleichen spätestens am Mittwochmorgen für eine Entscheidung am Freitag.

   Beide Termine hätten für sie Vor- und Nachteile. Vorteil Donnerstag: Im Falle eines durchwachsenen bis hauchdünnen Ausgangs bliebe noch der Freitag für Versuche der Koalition, die Deutung des Ergebnisses nicht ganz dem politischen Gegner zu überlassen, während die Schlagzeilen bei Terminierung „Freitag“ im gleichen Falle ein ganzes langes Wochenende verheerend ausfielen mit allen psychologischen Folgen. 

   Erhielte demgegenüber Merkel eine eindrucksvolle Mehrheit von Ja-Voten nur knapp unterhalb der Zahl der 330 Koalitionsmandate, vielleicht sogar angereichert durch Signale der Disziplinlosigkeit aus den Reihen der Opposition, hätte die SPD erneut eine Debatte am Bein, wie weit sie sich eigentlich von ihrer 23-Prozent-Schmach bislang erholt habe und Sein und Schein unverändert auseinanderlägen. Andererseits ist der Terminplan für Regierungsmitglieder, die gleichzeitig Abgeordnete sind, für den kommenden Donnerstag bereits so voll, daß es nicht ohne weiteres möglich wäre, sie alle rechtzeitig im Reichstag zu versammeln. Auf Pairing dürfte die Koalition in diesem Fall nicht hoffen – dafür geht es für alle Beteiligten um zu viel.

   Da die Opposition so wenig Zeit zur Vorbereitung bekommen soll wie möglich, ist davon auszugehen, daß Merkel ihren Antrag dem Bundestagspräsidenten tatsächlich erst im letztmöglichen Moment zuleiten wird. Aus demselben Grund wird es zuvor keinerlei auch nur halbwegs offizielle Bestätigung des Plans geben. Daß die SPD notfalls in der Lage ist, sich innerhalb von zwei Tagen auf einen Kanzlerkandidaten zu verständigen, gilt in der Umgebung der Kanzlerin nach dem Triumph von Hannelore Kraft als unwahrscheinlicher denn je, so daß der Union diese Schwachstelle der Opposition für die bevorstehenden Redeschlachten auf jeden Fall erhalten bliebe. Sigmar Gabriel verlangte heute „Neuwahlen“ (mit einem entsprechenden Vorlauf, wie ihn die SPD auch nötig hätte) und nicht etwa, die Kanzlerin möge die Vertrauensfrage stellen, was im Kanzleramt als Bestätigung dieser Einschätzung betrachtet wird.

   Die Option, den Hinauswurf Röttgens und die Vertrauensfrage mit einer gründlicheren Kabinettsumbildung zu verbinden, der dann womöglich auch Philipp Rösler, Kristina Schröder und/oder Annette Schavan zum Opfer fielen, wird von Angela Merkel zwar ebenfalls bedacht, doch fehlen ihr dafür entsprechende Signale aus der FDP. Und für eine Zwangsbeglückung der Liberalen, indem sie Rösler auf eigene Rechnung vor die Tür setzt, um so sein Karriereende auch als Parteichef vorwegzunehmen, fühlt sie sich nicht wirklich stark genug. Ein Revirement, das sich auf die CDU-Positionen der Regierung beschränkte, erweckte jedoch den Eindruck, die Schwachstellen hätten sich ausschließlich dort befunden und seien deswegen allein von Merkel zu verantworten, was natürlich für sie nicht in Frage kommt. 

   Vor diesem Hintergrund hält sich die Kanzlerin ihre endgültige Entscheidung über die Vertrauensfrage noch offen und taxiert zur Stunde Chancen und Risiken, Vor- und Nachteile ihres Plans sowie die denkbaren Varianten in Ablauf und Details.

Nachteile und Risiken:

- Mit der Vertrauensfrage räumte nun auch Merkel selbst in aller denkbaren Deutlichkeit ein, daß sie mit ihrer Koalition in einer Krise steckt, die einen Befreiungsschlag notwendig macht. Es wäre ein Beleg, daß die Verwerfungen um Europa und den Euro Deutschland nun auch nach Einschätzung der Regierungschefin erreicht haben und ihr Kurs eine Zäsur erfordert.

- Ausgerechnet jetzt fällt Peter Altmaier aus, ihr wichtigster Garant und Vertrauter im Plenum für die Organisation und Realisierung stabiler Mehrheitsverhältnisse, weil er auf ihr Geheiß schleunigst umschulen muß auf Umweltminister und am Dienstag um 11 Uhr, also gegebenenfalls pünktlich zur heißen Phase der Vorbereitung auf die Abstimmung, von Bundespräsident Gauck seine Ernennungsurkunde erhalten wird. Spätestens ab diesem Moment erwartete man Altmaier dann mit vollem Einsatz im Ministerium. Auch wenn sie keinerlei Zweifel an seiner Loyalität hegt, traut sie Kauder in dieser Beziehung nicht ganz so viel zu.

- Allein der Ausfall Altmaiers könnte sie demnach eine Reihe von Ja-Stimmen kosten – weniger aus Überzeugung denn aus Schusseligkeit oder Mangel an Überredungskunst gegenüber etwaigen Wackelkandidaten (wobei man sich die Bearbeitung zumindest des frisch gefeuerten Norbert Röttgen sicherlich sparen könnte). Inwieweit in einer kleinen Schummel-Lösung Altmaier in der Lage wäre, insgeheim per Telefon und in abendlichen Privatgesprächen doch noch ein paar Strippen zu ziehen und etwa Unschlüssige zu bezirzen, soll demnächst diskret abgeklärt werden.

- Die Existenzangst der FDP hat sich durch die jüngsten Wahlergebnisse eventuell so weit verflüchtigt, daß sie den Gedanken an Neuwahlen oder an einen Koalitionswechsel nicht mehr ganz so erschreckend fände wie noch vor vier Wochen, was zumindest einzelne liberale Abgeordnete zu Experimenten bei der geheimen Abstimmung verleiten könnte.

- Offen ist auch, inwieweit sich größere Teile der mächtigen CDU-Landesgruppe NRW (deren inoffizieller Vorsitzender und Vordenker unverändert Norbert Lammert ist und nicht Kanzlerinnenfreund Peter Hintze) durch die Hinrichtung ihres Mitglieds Röttgen derart verletzt fühlen, daß sie zu einer heimlichen Revanche per Nein-Stimme neigen könnten. Ausmaß und Schwere der Wunden, die dieser Gewaltakt geschlagen hat, sind auch für Kenner der Gegebenheiten bislang nur schwer abschätzbar. Was wiederum dafür spräche, vor einer endgültigen Festlegung erst den Verlauf der Fraktionssitzung am Dienstagnachmittag abzuwarten. Andererseits wäre die Vertrauensfrage, rechtzeitig bis Dienstag 9 Uhr von der Bundeskanzlerin beantragt, natürlich prägendes Thema dieser Sitzung und ließe alles andere in den Hintergrund rücken – einschließlich aller Mißhelligkeiten.

Vorteile und Chancen:

- So schön kalt wie jetzt wird Merkel die SPD in dieser Legislaturperiode nicht mehr erwischen, so wirkungsvoll deren Revitalisierungsprozeß nicht bremsen, vielleicht sogar stoppen können.

- Rein vernunftmäßig ist nicht erkennbar, inwieweit eine nennenswerte Anzahl von Koalitionsabgeordneten ein ernsthaftes Interesse an Neuwahlen oder auch nur an einer Schwächung der Kanzlerin haben könnte. Die FDP müßte unverändert um einen Wiedereinzug in den Bundestag bangen. Die CSU-Abgeordneten hätten eine Verschlechterung ihrer Mandatsstärke sowie Wiedererwachen in der Opposition zu erwarten. Und die CDU selbst ist derzeit mangels schlüssiger Botschaften nicht wirklich kampagnenfähig – schon gar nicht, wenn sie zuvor ihre Macht mutwillig im Wege der Zerstörung ihrer Kanzlerin weggeworfen hätte. Insofern gilt in Merkels Umgebung eine mehrheitliche Verneinung der Vertrauensfrage als hinreichend unwahrscheinlich.

- Gegen einen Verzicht auf dieses Machtmittel steht auch, daß Nichtstun den CDU-internen Grummelprozeß treiben und eskalieren lassen könnte und Röttgens Schicksal als Zeichen von Konsequenz und Rücksichtslosigkeit nicht allein bleiben sollte. Wer einen Hoffnungsträger so abserviert, der sollte – so eine Auffassung in der Union – nun auch den Mut beweisen, sich selbst ebenfalls einem Risiko auszusetzen, sich nebenbei sein Machtwort vom Parlament sanktionieren zu lassen, womit zumindest diese Debatte sich erledigen würde.

- Seehofer ist mit seiner Wutrede im ZDF nach Meinung der Kanzlerin zu weit gegangen, weil er mit seinem Frontalangriff auf einen CDU-Minister und stellvertretenden Parteivorsitzenden ihren unmittelbaren Machtbereich verletzte. Schon dies erfordert von ihr eine Antwort, die die Verhältnisse geraderückt.

- Seehofer und auch Rösler, ihre Co-Parteivorsitzenden, könnten als Nicht-Abgeordnete diesem Ereignis nur untätig beziehungsweise aus der Ferne zuschauen. Seehofer wäre zudem gut beraten, sich jeden kontraproduktiven Versuchs einer Einflußnahme auf das Abstimmungsverhalten der CSU-Landesgruppe zu enthalten, gilt sein Verhältnis zu den Berlinern im allgemeinen und Gerda Hasselfeldt im besonderen doch als angespannt. So ein wenig Zaungast-Feeling täte dem Herrn, so Merkels Überzeugung, einmal ganz gut, und damit wüßte sie sich d’accord mit der gesamten Fraktion. Für Annette Schavans für Donnerstag 9 Uhr vorgesehene Regierungserklärung ”Fortschritt durch Innovation” fände sich so oder so sicherlich ein anderes Plätzchen, wenn nicht gleich für die Rednerin eine andere Verwendung.

- Demokratietheoretisch könnte nach den diversen (angeblichen, tatsächlichen) Beschädigungen dieser Verfassungsbestimmung seit Helmut Kohl 1983 eine erfolgreich absolvierte Vertrauensabstimmung – quasi als Reparatur-Prozedur für Artikel 68 – nicht schaden, der Urheberin sogar Lob einbringen.

Fazit:  Aus – nachvollziehbarer – Sicht der Bundeskanzlerin spricht an diesem Sonntagvormittag mehr für eine Realisierung ihres Planes „V“ als dagegen. Vorsichtig, wie sie ist, wird sie aber die verbliebene Zeit bis Dienstag nutzen, weitere Informationen zu sammeln (etwa bezüglich etwaiger Verhinderungen von Abgeordneten durch Auslandsaufenthalt, Krankheit oder unheilbarer, aber bisher von der Fraktionsspitze unerkannter Gekränkheit) und alle denkbaren Szenarien durchzuspielen. Dazu gehört auch eine Verschiebung des Vorhabens auf eine der letzten Sitzungen vor der Sommerpause, was die publizistischen Folgen des Ausgangs entsprechend potenzieren würde – vor allem für die unterlegenen Fraktionen. Ebenso dazu zählt das Szenario einer mühsamer Bestätigung mit nur wenigen Stimmen über dem Mindestwert. Was damit für sie gewonnen wäre, will Angela Merkel nach ihrer Rückkehr aus Chicago erst noch von ihrer Umgebung möglichst einleuchtend erklärt bekommen.

   Schließlich entspricht das Stellen der Vertrauensfrage bisher nicht ihrem Stil. Nur: Das gilt auch für Röttgens Hinrichtung, und mit dieser hat sie, ob sie das wahrhaben will oder nicht, ein neues Kapitel ihrer Amtszeit begonnen, das nach weiteren Schritten verlangt. Dieser Hinauswurf kann nicht so alleine stehen bleiben, zumal Röttgen dem Vernehmen nach an einer öffentlichen Korrektur der Merkelschen Darstellung der Abläufe arbeitet.

   Lust auf die Vertrauensfrage hat sie nicht, aber die Frage ist, ob noch einmal eine bessere (und besser planbare) Gelegenheit kommt als diese - und das ist letztlich ihr Kriterium. Ihr Laden braucht dringend eine Aufmunterung. Vom geplanten Dreierkoalitionsgipfel hat sie nicht viel Gutes, Glanz gar zu erwarten. Da könnte eine gut überstandene Vertrauensfrage, die der Opposition für eine Weile den Mund stopft, nicht das schlechteste Mittel sein.

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Ein Kaufmann soll den Grünen Hügel aufräumen

von Jens Peter Paul | 20. März 2012

Die ursprünglich mit vielen Erwartungen befrachtete Alleinherrschaft der Halbschwestern auf dem Bayreuther Grünen Hügel geht zu Ende: Den beiden Leiterinnen der Richard-Wagner-Festspiele, Eva Wagner-Pasquier (66) und Katharina Wagner (33), wird so schnell wie möglich ein Kaufmann als dritter Geschäftsführer zur Seite gestellt. Dies beschloß der Verwaltungsrat der Richard-Wagner-Festspiele auf seiner jüngsten Zusammenkunft in München. Man werde das tun, was in allen anderen Opernhäusern auch üblich sei, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Toni Schmidt gegenüber stateblog.de. Den Aufsehern sei schon länger klar, daß – so wörtlich – „wir uns auf dem Feld der kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Leitung in Bayreuth verbessern müssen“. Von einer Entmachtung der Wagner-Schwestern könne aber nicht die Rede sein.

„Die beiden Damen sind kooperativ, die sind auch nicht das Problem“, so Toni Schmid. Ärgerlicherweise glaube dennoch jeder, er könne „Bayreuth nach Belieben herunterschreiben“. Er erwarte jetzt endlich auch einmal einen – so wörtlich – „Hauch von Sympathie“ gegenüber Eva und Katharina und ihrer Leistung, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrates. Die Situation sei heute mit „Gesellschaftern in Hülle und Fülle“ schwieriger als früher, als ein Mann die Verträge mit sich selbst gemacht und niemand Einblick und Auskunftsrechte gehabt habe.

Aus dem Hause von Kulturstaatsminister Bernd Neumann in Berlin hieß es zu dieser Entwicklung, sie sei „konsensual“ erfolgt und „völlig richtig“. Toni Schmid ergänzte, Eva und Katharina hätten eingesehen, daß es so nicht weitergehen könne, und der Neuordnung der Festspielspitze zugestimmt, ja diese sogar selbst vorgeschlagen. Dies sei um so bemerkenswerter, als den Halbschwestern 2009 in ihren Verträgen laut Schmid ein alleiniger Führungsanspruch zugesichert worden sei.

Coaching, Verpflichtung von Beratern und andere Bemühungen um Professionalisierung hätten aber offensichtlich nicht ausgereicht, um den ungemein gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, so daß nun ein dritter Chef installiert werde. Ob die Stelle ausgeschrieben wird, sei noch offen. Er sehe sich bereits nach potentiellen Kandidaten um. Auf jeden Fall müsse der Neue – so Schmid wörtlich mit Blick auf die Halbschwestern – „dazu passen“ und auch mit Künstlern umgehen können. Details des weiteren Verfahrens seien nun mit den anderen Gesellschaftern zu besprechen und entscheiden.

Der Verwaltungsrat zieht mit der Neuordnung der Festspiel-Führung die Konsequenzen unter anderem aus einer Serie von Fragen und Beanstandungen von Bundes- und Landesrechnungshof, etwa wegen angeblich nicht gezahlter Sozialabgaben und Unregelmäßigkeiten bei der Kartenvergabe. Punkt für Punkt sei man diese in der Verwaltungsratssitzung durchgegangen. Frühere Beanstandungen habe man bislang stets zur Zufriedenheit der Rechnungshöfe beantworten können mit der Folge, daß bislang nicht ein einziger Bericht veröffentlicht worden sei, sagte Schmid zu stateblog.de. Insofern möge man doch bitte auch diesmal abwarten, was von den Behauptungen und Kritikpunkten am Ende übrigbleibe.

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Er wußte doch, daß er dort nicht langgehen darf

von Jens Peter Paul | 17. Februar 2012

In ein paar Monaten wird uns – so die Erfahrungen in solchen Fällen – die Meldung erreichen, die Ermittlungen seien eingestellt worden; für eine Anklage hätten die Beweise nicht ausgereicht; Filmfuzzy Dingsda habe noch eine Geldstrafe zahlen müssen wg. fahrlässigen Erweckens eines bösen Anscheins. Damit wäre dann amtlich: Ein Bundespräsident ist von “Bild”, “FAZ” und “Süddeutsche Zeitung” in verteilten Rollen, aber mit vereinten Kräften aus dem Amt gemobbt worden.

Glaubt jemand im Ernst, die Medien als solche würden nach einem so mühsam herbeigeschriebenen Rücktritt unbeschädigt, als Sieger gar aus dieser Nummer hervorgehen? Man verlangt von Wulff, endlich Souveränität zu zeigen und den Möbelwagen zu bestellen. Wie aber ist es um die Souveränität einer Gesellschaft bestellt, die nicht abwarten kann, ob Vorwürfe, Verdachtsmomente und eine Kollektion schlechter Haltungsnoten, vergeben von den Experten für anfechtungsfreies Leben – mehr liegt auch nach monatelanger Intensiv-”Recherche” nicht vor – tatsächlich begründet sind, und dann zu entscheiden, ob einer als Staatsoberhaupt “tragbar” ist?

Ich hatte in dieser Sache vom ersten Moment an ein ganz schlechtes Gefühl, und es ist nicht besser geworden. Wer als Journalist “Bild” als Leitmedium akzeptiert, ja es erst noch bewußt dazu macht, verliert jeden Anspruch auf Intellektualität, auf den Vorrang des Geistes vor dem Bauch. Es tut so, als sei es Aufklärung, und ist in Wirklichkeit das exakte Gegenteil.

Wenn man dann die weinerlich-hämischen Berichte liest über Auftritte oder Auslandsreisen des Bundespräsidenten, den die “Affäre” doch tatsächlich “überallhin verfolgt”, denke ich: Genausogut kann ich eine Oma überfallen, daß ihr der Oberschenkelhals bricht, ihr die Handtasche mit der Rente rauben und sie anschließend aus ihrer Wohnung klagen, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen kann. Ihre Verwandten stecken sie alsdann ins Heim, weil sie nunmehr am Stock geht und mit ihren Schürfwunden einen arg erbärmlichen, nicht vorzeigbaren Anblick liefert.

Wenn dann einer meint, so gehe das aber nicht, entgegne ich: Selber schuld! Sie wußte doch ganz genau, daß sie um diese Uhrzeit nicht alleine dort langgehen darf.

Wulff wußte doch ganz genau, daß ihn niemand als Staatsoberhaupt haben wollte. Mit Ausnahme dieser dummen Bundesversammlung, dem vom Grundgesetz geschaffenen Gremium mit dem alleinigen Zweck und als einziges legitimiert, Bundespräsidenten zu machen.

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Austritt wg. Entfalls der Vertragsgrundlage

von Jens Peter Paul | 1. Februar 2012

Die Regierungen der Euro-Länder und die Europäische Zentralbank eröffnen Kapitalanlegern stetig neue, clevere Möglichkeiten, sich auf Kosten der Allgemeinheit heimlich und leise von fragwürdigen Wertpapieren wie Staatsanleihen zu trennen, es in frisches Geld umzuwandeln und das Verlustrisiko dem wehrlosen Steuerzahler, Sparer, Rentner aufs Auge zu drücken. Das ist nicht Marktwirtschaft, sondern das genaue Gegenteil.

Es handelt sich hier um einen weiteren Bruch der Regeln, die die Euro-Länder seinerzeit bei der Gründung der Währungsunion feierlich unterschrieben hatten. Das wäre zur Abwechslung wirklich einmal ein Anlaß für ein Vertragsverletzungsverfahren – doch wer soll es einleiten, wenn die Kommission selbst zu den Urhebern und Nutznießern der Verletzungen gehört? Deutschland hat allen Anlaß, die Währungsunion zu verlassen: Die Vertragsgrundlage ist entfallen, ein klassischer Fall.

Nach dem Zusammenbruch des Euro werden die Menschen wissen wollen, wer ihnen das eingebrockt hat, und entsprechende Anklagen und Prozesse erzwingen. Eigentlich wäre das längst Aufgabe von Bundestag, Generalbundesanwalt und Bundesregierung, um den Wahnsinn endlich zu stoppen.

Daß SPD und Grüne in ihrer längst sinnentleerten Euro-Duselei der Bundesregierung bei dieser historisch beispiellosen, extrem asozialen Umverteilung von unten nach oben helfen, die Kanzlerin sogar noch anfeuern, sie dürfe gefälligst nicht so zögerlich sein, gehört zu den Rätseln unserer Tage. So blind kann eigentlich niemand sein, nicht zu erkennen, was hier vor unser aller Augen läuft.

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Backe, backe Bundespräsi

von Jens Peter Paul | 23. Dezember 2011

Nachher hole ich die Zutaten, und dann backen wir uns zusammen den idealen Bundespräsidenten. Ohne Vorleben, ohne Macken, ohne Eigenschaften, 3-Zimmer-Wohnung zur Miete in Bökelstedt, BMI 22.3, seit dem Kindergarten verheiratet mit ein- und derselben Frau, fährt seinen Golf II seit 1990 (damals schon gebraucht gekauft), und seinen Dispo hat er noch nie angerührt.

Supi. Wehe aber, wenn dieser perfekte Retortenmensch dann einmal in eine Lage gerät, in der er für seine Entscheidungen die Schwächen, Fehler und eventuell irrationalen Reaktionen anderer Menschen, speziell: Politikern, einkalkulieren muß und die sonstigen Verrücktheiten des Lebens. Worauf soll er dann zurückgreifen? Auf seine eigene Lebenserfahrung? Wie er sich selbst einmal, scheinbar gegen jede Chance, aus einer tiefen Krise wieder nach oben gearbeitet hat? Was er aus seinem dicksten Fehler lernte, der ihn, wäre er herausgekommen, längst die Karriere gekostet hätte?

Ich würde einem solchen geradlinigen Schönwetter-Milchbubi, der nichts vom Leben weiß, keine zehn Meter über den Weg trauen. Wenn es richtig dick kommt, bist Du mit einer solchen Figur verraten und verkauft. Dumm nur, wenn Du es dann erst merkst. Denn die Papierform, die war ja perfekt.

Oder wen wüsstet Ihr lieber vorne im Cockpit, wenn die Durchsage kommt: “Leider lässt sich unser Fahrwerk nicht ausfahren, der Sprit ist demnächst alle, wir müssen eine Notladung versuchen” – einen 1er-Absolventen mit Blitzkarriere, selbst in der Freizeit stets perfekt gekleidet, “aus gutem Hause” mit geschliffenen Umgangsformen – oder einen alten Haudegen, wg. fortgesetzter Insubordination unehrenhaft aus der Luftwaffe entlassen, der eigentlich nur noch fliegt aus Liebe zum Job, von den Chefs gehasst, aber von den Kollegen für seine Abgebrühtheit damals bei der Entführung bewundert, der gegen alle Vorschriften im Cockpit qualmt und neulich tatsächlich einer Stewardess in den Hintern gekniffen hat, was ihm fast vier Jahre ohne Bewährung eingebracht hätte?

Wenn ich Wulff etwas vorwerfe, dann, daß er nicht mehr auf dem Kerbholz hat als diesen albernen Scheißkredit für eine Gartenzwergidylle.

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